Ende Oktober – Anfang November stand der alljährliche Brückentag ins Haus. Die wohl letzte Möglichkeit noch etwas größeres zu unternehmen, bevor der Schnee übers Land kommt.  Also kurz geschaut wo es hingehen könnte, das Wetter kontrolliert und erstmal resigniert – Regen und schlechtes Wetter für das ganze Land waren angesagt. Trotzdem haben wir uns Mittwoch dazu entschlossen los zu machen und haben eine Ferienwohnung auf Rügen gebucht.

Ferienwohnung Wohnzimmer

Oben angekommen waren wir sehr überrascht, die Ferienwohnung entpuppte sich als wahre Luxus Wohnung in einem Neubau. Ich wusste vorher nur, das es wohl Internet geben wird und das die Wohnung in der ersten Reihe, direkt an der Ostsee liegt. Dazu gab es dann eine eigene Sauna, 3 Flatscreen-Fernseher, davon 1ner 3D, Fußbodenheizung, edele aber unhandliche Armaturen im Bad und Küche und Hightech in Sachen Herd und Backröhre. So luxuriös war ich noch nie untergebracht – und das beste dabei, die Wohnung kostet in der Nebensaison nicht mal die Hälfte von dem was ein Sommerurlauber bezahlen muss. Kurzum, egal wie das Wetter ist, hier lässt es sich länger aushalten.

Natürlich haben wir nicht nur in er Bude gehockt, sondern sind zu Fuß die Kreideküste nach Norden entlang gewandert. Haben dabei den Strand nach Motiven, Donnerkeilen und Hühnergöttern abgesucht, sowie einen Blick in den Buchwald vom Jasmund Nationalpark geworfen.

Kreideküste Rügen

Der Wald im Nationalpark ist wohl zu jeder Jahreszeit fotogen, der Herbst lag bei uns in seinen letzten Zügen und das gefallene gold-braune Laub bildete einen genialen Kontrast zu den grauen Stämmen der Buchen.

Buchen im Nationalpark Jasmund

Abends, oder besser gesagt am Nachmittag machten wir uns auf zur Seebrücke nach Sellin um diese zur blauen Stunde, ab etwa 16:30 zu fotografieren. Alleine waren wir dabei nicht, trotz des schlechten Wetters trafen wir einen weiteren Stativ-Fotografen und jede Menge Urlauber an. Diese Urlauber wandern natürlich auf der Seebrücke umher und nutzen die Treppen, auf der unsere Stative nun sehr wackelig standen.

Seebrücke Sellin mit Beleuchtung

Man kann hier mehrere Bilder machen und so übereinander legen in Photoshop, das besagte Urlauber nicht mehr sichtbar sind. Dazu sollten sich die Urlauber aber auch Bewegen und nicht etwa Minutenlang die Aushänge studieren. Mein Bild ist aus einer einzelnen Aufnahme, da ich leider keine entsprechend menschenleere Bildkombination aufnehmen konnte und die Zeit lieber für verschiedene Bildkompositionen genutzt habe.

Hinter dem, zu unserem Besuch kaum genutzten Restaurant der Seebrücke liegt mit einer Tauchglocke eine weitere Sehenswürdigkeit, die für Fotografen passend auch nachts angeleuchtet wird.

Tauchglocke Seebrücke Sellin

Zum Abendessen bereiten wir uns in der Küche ein Steak mit Bratkartoffeln und Bohnen zu, und genossen gemeinsam den Abend.

Das Wetter des Vortages verschlechterte sich zum Samstag weiter, den heute gab es fast durchgehend Niesel bzw. Regen.

Dabei wirkt sich die vorherrschende Nässe in zweierlei Hinsicht positiv aus. 1. Es sind weniger Leute draußen unterwegs die durchs Bild laufen. 2. Intensivieren sich die Farben, wenn man bei Nässe mit dem Polfilter die Wasserspiegelungen von Steinen und Blättern „entfernt“.

Steg bei Sasnitz

Den ersten Punkt hatten wohl auch andere Fotografen auf dem Radar. Denn, als ich zum Wetterschauen auf der Terrasse stand staune ich nicht schlecht, als unweit der Wohnung ein Akt-Shooting stattfand. Als wir später an diesen Fotografen vorbei gingen hatte sich die Splitternackte Dame allerdings verzogen und nur ein männlichen, bekleideter Model war noch anwesend.

Ich habe an diesem Tag ungewöhnlich viele Langzeitbelichtungen geschossen und das Wasser dadurch „glatt gezogen“.

Strandgut in der Ostsee

Kreideküste Rügen

Für mich auch sehr interessant zu sehen, wie sich die Küste innerhalb eines Tages ändert. Nicht nur, dass durch mehr Wellengang der Weg am Strand entlang ohne nasse Füße nicht mehr möglich war, auch das neue Strandgut und ein oben umgeknickter Baum zeigen sehr deutlich, wie die Ostsee hier die Kreideküste abknabbert.

Auch  am Tag unserer Abreise gab es keinen Sonnenuntergang, sonst wären wir in nur 15-20 Minuten Fußweg an der perfekten Stelle gewesen. Und zwar hier:

Kreideküste des Nationalpark Jasmund

Wie räumten alles zusammen und verabschiedeten uns sehr ausführlich von der Vermieterin. Dann ging es nochmal an einen Strand. Dort wollten wir Buhlen fotografieren, aber wir haben uns wohl den falschen Ort ausgesucht, links und rechts nichts zu sehen, dafür ist der Nadelwald zwischen Strand und Parkplatz noch fotogen gewesen.

Rügen Nadelwald mit Moos

Pünktlich, als wir Rügen über die Inselbrücke nach Stralsund verlassen haben ist dann die Sonne herausgekommen und hat uns die Stimmung für die Heimfahrt versaut. Rückblickend war der Ausflug jedoch besser als Sinnlos daheim auf der faulen Haut zu liegen.

1 Response
  1. Wirklich phantastische Langzeitbelichtungen aus meiner alten Heimat an der Ostseeküste. Die „dunkle“ Jahreszeit ist für derlei fotografische Experimente wie gemacht. Toll wieviel Zeit und Enthusiasmus Du in der letzten Zeit in Deinen Blog gesteckt hast. Es war nach langer Krankheit eine wahre Freude darin herum zu stöbern. Leider komme ich selbst nicht mehr dazu sehr viel mit meinen Kameras zu hantieren, jedoch trage ich immer eine bei mir und mitunter gelingt sogar die eine oder andere halbwegs vorzeigbare Aufnahme. Ich wünsche Dir sehr, dass Dir die Freude an der Fotografie erhalten bleibt. Dein Spezialgebiet Landschaftsfotografie beherrscht nunmehr schon fast meisterlich. Viele Grüße und immer gut Licht Ronald

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